Interventionsmöglichkeiten
Zunächst wird ein Genogramm (McGoldrick & Gerson 1995) angefertigt, um sich einen Überblick über sämtliche für die beraterische Arbeit bedeutsamen Personen zu verschaffen. Ebenso wird eine Chronologie erstellt, die verdeutlicht, wie es zum Anliegen kam. Zum besseren Verständnis kann ein Familienbrett (Ludewig & Wilken 1983, 2000) hinzugezogen oder eine Familienaufstellung (Schweitzer & Weber 1982; von Schlippe & Kriz 1993) durchgeführt werden. Ebenfalls kann eine idiographische Systemmodellierung (Schiepek 1986, 1999) angefertigt werden. Bei diesem Verfahren handelt es sich um eine Methode, Vernetzungen und Zusammenhänge in komplexen Systemen visuell anschaulich darzustellen. Es können dabei biologische, psychische und soziale Prozesse berücksichtigt werden. Systemmodelle sind auch ressourcenorientiert konstruierbar und stellen eine Systemdiagnose im umfassenden Sinn dar.
Es werden Ziele festgelegt, die sich an folgenden Kriterien orientieren:
Ziele sollten bedeutsam und wichtig für den Klienten sein, klein und einfach, konkret, präzise und verhaltensbezogen. Sie sollten eher das Vorhandensein als die Abwesenheit von etwas zum Ausdruck bringen (positive Verhaltensalternative), eher ein Anfang als ein Ende beschreiben (erster kleiner Schritt) und im Lebenskontext des Klienten realistisch und erreichbar sein. Ziele erreichen bedeutet „harte Arbeit“. Es werden Kriterien bestimmt, an denen der Klient merken kann, das ein Ziel erreicht wurde.
Systemisches Arbeiten stellt weder eine unmittelbar wissenschaftsgeleitete Anwendung systemtheoretischer Konzepte noch einen rein handwerklichen Satz von Techniken dar. Das Handeln wird geleitet durch die Haltung und systemtheoretische Grundannahmen. Hierzu stehen eine Vielzahl möglicher Techniken und Methoden zur Verfügung. Gleichzeitig können sämtliche durch andere Schulen entwickelte Interventionen genutzt werden, so lange sie dem systemischen Denken entsprechen. Die systemische Arbeit orientiert sich an den Prinzipien: Arbeite stets so, dass die Möglichkeiten erweitert werden. Wenn etwas funktioniert, mache mehr vom Selben. Wenn etwas nicht funktioniert, mache etwas anderes und wenn etwas nicht kaputt ist, mache es nicht ganz.
In der Krisenbewältigung wird es zunächst darum gehen, das System zu stabilisieren und zu stärken. Hierbei werden in erster Linie Ressourcen und Copingstrategien erarbeitet. Es werden praktische Unterstützungen geleistet.
Im Bereich der Interventionen wird verstärkt mit geplanten Irritationen (vgl. Bardmann et. al. 1991) gearbeitet, da eine direkte, instruktive Einflussnahme auf ein Familiensystem auf Grund seiner operationalen Geschlossenheit nicht möglich ist. Veränderungen sind immer Selbstveränderungen des Systems. Zu den Handlungsformen gehören zählen Verstörungen, Provokationen, Umdeutungen, Humor, Paradoxien, Konfrontationen aber auch kreative Methoden.
In der Diagnostik kommen neben den oben genannten systemischen Instrumentarien (Genogramm, Familienbrett, Skulpturarbeit, idiographische Systemmodellierung, Ressourcenbogen (Honermann 2001, Honermann & Schiepek 2000) je nach Fragestellung unterschiedliche Diagnoseinstrumente zum Einsatz.
Es können je nach Bedarf und Auftrag mit Einzelpersonen, den Eltern oder der Familie Trainings zum Erlernen neuer Verhaltensweisen und Kognitionen durchgeführt werden. Die Trainings basieren auf lerntheoretischen Annahmen. Sie können sich befassen mit den Themen: Versorgung, Erziehung, Beziehung, Umgang miteinander oder der Verselbständigung. Eingesetzt werden Trainingsmodule für Eltern, das behaviorale Elterntraing als auch Methoden des Modelllernens.
Ein spezielles Angebot ist die Arbeit mit Familien mit Migrationshintergrund. Hier geht es in erster Linie darum, die mit der Migration einhergehenden Themen zu beachten, sich auch über andere Sprachen zu verständigen und zu helfen, eine gesunde Integration zu schaffen. Die Vertrautheit mit diversen Kulturräumen, Sprachen und religiösen Orientierungen ermöglicht den Zugang zu Familien unterschiedlicher Herkunft und deren Beratung.
Ein häufiger Auftrag bei der ambulanten Arbeit mit Familien ist die Kontrolle. Ein wichtiges Kriterium stellt das Wohl des Kindes dar. Der Kontrollauftrag sollte mit allen Beteiligten offen besprochen und auf konkrete Inhalte festegelegt werden.
In der Schlussphase der Flexiblen ambulanten Familienhilfe kommt es zur schrittweisen Loslösung und schließlich zur Beendigung der Hilfe. Das Familiensystem soll nun in der Lage sein, mit aktuellen und zukünftigen Problemen selbständig umgehen zu können.
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